

Herbert K. Meyer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „arbeitgeber ruhr“.
Abkühlung auf hohem Niveau
In ihrem aktuellen Konjunkturbarometer rechnet die Arbeitsgemeinschaft arbeitgeber ruhr mit einer Konjunkturabkühlung, aber nicht mit einer Rezession
2011 war für die Wirtschaft im Ruhrgebiet ein Jahr des Aufschwungs. Nun blicken die Ruhrgebiets-Unternehmer mit verhaltenem Optimismus in das neue Jahr, so das Ergebnis der im Januar veröffentlichten Herbst-
umfrage der Arbeitsgemeinschaft arbeitgeber ruhr, einem Zusammenschluss aus 17 Arbeitgeberverbänden, in dem 2.200 Unternehmen mit 260.000 Beschäftigten organisiert sind. Herbert K. Meyer, Sprecher von arbeitgeber ruhr, sieht Wolken am Konjunkturhimmel aufziehen, warnt aber vor Rezessionsszenarien: „Die Konjunkturprognosen für das erste Halbjahr 2012 lassen überwiegend eine Fortdauer des Optimismus erkennen, allerdings ohne Euphorie. Die Unternehmen sind verunsichert. Signale für eine Rezession sehen wir darin noch nicht, die Wachstumsdynamik wird gegenüber 2011 aber nachlassen.“ Dass der Aufschwung an Kraft verliert, lässt sich daran ablesen, dass zwar noch immer gut zwei Drittel der Unternehmer angeben, im Vergleich zum ersten Halbjahr gleich gute oder bessere Auftragseingänge und Umsätze zu haben. In der Frühjahrsumfrage waren es jedoch 80 beziehungsweise 74 Prozent, also deutlich mehr. Immerhin über 70 Prozent der Unternehmen geben eine gute oder zufriedenstellende Ertragssituation an.


Kohle und Stahl prägten jahrzehntelang die Wirtschaft und das Gesicht des Ruhrgebiets. Seit der ersten Kohlekrise 1957 jedoch ist der Strukturwandel im Gange.
Quo vadis, Ruhrgebiet?
Auftakt zur neuen Serie: Auf der Suche nach den Leitmärkten von Morgen
Worin der Aufstieg des Ruhrgebiets begründet war, ist offenkundig: Die Montanindustrie mit ihren auch heute noch allgegenwärtigen Halden, Schachtanlagen und Stahlhütten. Doch deren allmähliches Ende zeichnete sich schon mit der Kohlekrise von 1957 ab, und der damals eingeleitete Strukturwandel dauert bis heute an.
Doch obwohl Kohle und Stahl inzwischen weitgehend aus dem Ruhrgebiet verschwunden sind, treten die neugewonnenen Stärken des Ruhrgebiets noch nicht offen zutage. Vielmehr liegen sie versteckt unter den mannigfachen wirtschaftlichen Aktivitäten der Ruhrgebietsunternehmen. Stuttgart hat die Automobilindustrie und Köln die Medien. Und was hat das Ruhrgebiet? Dieser Frage ist der Wirtschaftsbericht Ruhr 2011 nachgegangen, der im Dezember 2011 vorgestellt wurde. Ziel des von der Wirtschaftsförderung metropoleruhr und den 15 Wirtschaftsförderungen der Städte und Kreise des Ruhrgebiets herausgegebenen Berichts war es, die Megatrends und mithin die zukünftigen Leitmärkte des Ruhrgebiets zu identifizieren. In den kommenden Jahren sollen dann Projekte in den analysierten Zukunftsfeldern vorangetrieben und die Ruhrgebietsunternehmer bei ihrer Ausrichtung auf diese Megatrends unterstützt werden.

Gewerbeflächen werden knapp
NRW-Umweltminister Remmel kündigt an, den Flächenverbrauch stark einzuschränken und verschärft hierdurch die Debatte um mangelnde Gewerbeflächen im Ruhrgebiet
„Wir brauchen bei einer abnehmenden Bevölkerung nicht den zehnten oder elften Baumarkt oder den 13. und 14. Supermarkt“, so NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands (RLV) am 11. Januar. Einem entsprechenden Bericht in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ zufolge will Remmel den Landesentwicklungsplan noch 2012 ändern. Künftig sollen NRW-weit täglich nur noch fünf – anstatt wie in den vergangenen 15 Jahren – täglich fast 18 Hektar pro Tag neu zugebaut werden. Auch brachte der Minister eine „Rückbauverpflichtung“ ins Gespräch, wonach die Kommunen für neue Gewerbeflächen Ausgleichsflächen schaffen müssen. Im Gegenzug soll die Neunutzung von Brachen durch eine spezielle Altlasten-Versicherung attraktiver gemacht werden.


